Dienstag, 31. Januar 2012

Und weil mein Leben mal wieder zusammenfällt
fahr ich morgen spontan nach Berlin
In einer Woche bin ich wieder da
obwohl
vielleicht bleib ich auch für immer
adieu

Montag, 23. Januar 2012

Ich könnte ja eigentlich auch mein Essen für die gesamte nächste Woche schon jetzt essen

Montag, 16. Januar 2012

fülle die gleichen klinik- anmeldebögen
wie vor 5 monaten aus
ich trete auf der stelle

Freitag, 13. Januar 2012

andere Stadt
andere Schule
anderes Sekretäriat
anderer Schulleiter

das gleiche Weglaufen
nur dass ich diesmal keinen Notfallplan hab

Montag, 9. Januar 2012

Du frisst den Staub mit bloßen Händen
Und wagst es niemandem, in die Augen zu blicken.
Schämst du dich nicht für das, was aus dir geworden ist?
"Ich mach mir ein bisschen Sorgen um Sie." Ich gucke auf meine Beine, dahin wo sich der Verband unter der Strumpfhose abzeichnet. "Ja" flüstere ich, als es ob selbstverständlich wär. "Sie wissen bestimmt auch warum oder?" "Ja. Wegen gestern," bringe ich leise heraus und räuspere mich. Mein Hals ist zugeschnürt, es ist so anstrengend hier zu sitzen, so anstrengend antworten zu müssen. Ich weiß nicht wo ich hin gucken soll, starre aus dem Fenster, an ihr vorbei. Tränen laufen still an meinen Wangen runter, meine Hände kneifen unaufhörlich in meine Arme. "Gibt es denn irgendwas, dass sie mir sagen wollen?" Zum Beispiel wie sehr  ich die Menschen hier hasse, die dauernd etwas über meine Gefühle hören wollen, die dauernd nach dem Grund suchen wollen? Wie sehr ich das Essen hier hasse, wie sehr ich vor jedem ausgesprochenen Wort Angst habe, weil es falsch sein könnte? Soll ich Ihnen den ganzen Hass in mir drin beschreiben, warum ich all solche Dinge tue, was ich bei jedem gut gemeinten Wort von jedem einzelnen hier denke? Welche Wut ich die ganze Zeit unterdrücke und keinen anderen Ausweg sehe, als sie an mich selbst auszulassen? Weil ich selbst der Grund bin, warum ich so unglaublich wütend bin? "Nein. Im Moment nicht." - "Hm. Okay. Gehen Sie in das Stationszimmer und holen sich Medikamente. Und kann ich mich darauf verlassen, dass Sie sich melden, sobald es Ihnen schlechter geht?" Sie meinen schlechter als jetzt? "Ja." Ich kann kaum mehr sprechen vor lauter Tränen, weiß nicht, was ich noch machen soll. Wieder werde ich allein gelassen. Natürlich wissen alle, dass ich mich nicht melden werde, das kennen sie doch mittlerweile schon. Wieder muss ich viel stärker sein, als ich kann und ich weiß jetzt schon, worauf das hinauslaufen wird.
Tränen tropfen auf meine Strumpfhose und ich will einfach nur noch raus hier. Es ist zu still, das halte ich nicht aus. Ich hasse Stille, sie ist so voller Wahrheit.
"Ich mach mir wirklich Sorgen um Sie."

Sonntag, 8. Januar 2012

asphalt hat die farbe von gebrochenen herzen
und du und ich, mittendrin
kletterst immer weiter die glaswand hoch
um irgendwann an freiheit zu kommen
aber mehr als sehen wirst du sie nie

tu mir weh, ich will was spüren

Dienstag, 3. Januar 2012

Hier etwas über meinen Klinikaufenthalt, für Anonym:

Als erstes, ich war 3 Monate dort, hatte 5 verschiedene Mitbewohnerin, die allesamt früher gehen durften als ich, genauso wie alle anderen, die noch am Anfang mit mir da waren. Die Regelzeit dort ist nur 6-8 Wochen, deswegen musste ich mich dauernd an andere Menschen gewöhnen und war zum Schluss ziemlich einsam dort. Da es eine Psychosomatische Klinik war, hatten alle neben den Therapeutischen Behandlungen auch so etwas wie Sportkurse, ich jedoch durfte nur 2 mal die Woche morgens in 'ner Gruppe einen Spaziergang vor dem Frühstück machen und 2 mal die Woche Schwimmen wenn ich wollte. Die hatten dauernd Angst, dass ich zu viel abnehme und mir wurde auch mehrmals mit Shakes oder Magensonde gedroht. Außerdem musste ich 5 Wochem am Essbegleittisch essen, das war die Hölle, da man genau vorgesetzt bekam, was man essen musste. Und dann hatte ich neben 2 mal die Woche Einzeltherapie noch am Anfang 2 mal die Woche Skills-Gruppe, die mir allerdings so ziemlich gar nichts gebracht hat, was die Nachtschwester, die mir immer schön die Beine wieder zustripen durfte, bezeugen kann, und später hatte ich noch 2 mal die Woche Körpertherapie, wo wir zu afrikanischer Trommelmusik mit geschlossenen Augen durch den Raum tanzen durfte und wo ich jedes mal das Gefühl hatte, die Therapeuten waren verrückter als wir.
Am allerliebsten mochte ich meine Ernährungsberaterin, sie war die Einzige auf die ich wirklich gehört habe und die es als einzige geschafft hat, mich aufzubauen.
Dann musste ich noch jeden Mittwoch zur Visite, um den Chefarzt wissen zu lassen, dass es mir zumindest noch so weit gut geht, dass sie mich nicht in die Geschlossene überweisen müssen.
Insgesamt hab ich fast gar nichts mitgenommen, außer dass ich jetzt einige Dinge klarer sehe, besser über mich selbst reden kann und dass ich viele, viele interessante Menschen kennen gelernt hab. Allein das war es schon wert.
Ich weiß nicht so recht, ob euch das zufrieden stellt, diejenigen die es wissen wollten, aber mir fällt nicht so richtig ein, über was ich noch schreiben soll. In spätestens einem halben Jahr geht es für mich wieder in die Klinik, haben die Therapeuten so verschrieben und ich bin eigentlich ganz froh darüber, weil ich grad mal 1 1/2 Wochen wieder zuhause bin und schon wieder alles über mich hereinbricht.
Tut mir leid, der Text ist echt nicht gut geworden, aber jetzt wisst ihr wenigstens, wie es da in der Klinik so zuging.


Das große Bett mit den zwei Bettdecken und zwei Kopfkissen lässt mich immer mehr wissen, wie einsam ich bin
aber auf meiner Rosenbettwäsche fallen die Blutflecken ja kaum auf
Ohne meine Beruhigungsmittel dreh ich wieder vollkommen durch
aber ihr seht es ja nicht, wollt ihr ja nicht
nehmt mir alles, kümmert mich nicht
denn eigentlich hab ich nichts mehr, was man mir nehmen kann
Ich hab ganz vergessen, wie zerissen man sich fühlen kann,
macht mich wieder taub