Mittwoch, 26. Dezember 2012


"Einmal schrieb er ein Gedicht
auf ein gelbes Blatt mit grünen Linien
Er nannte es “Chops”
weil das der Name seines Hundes war
Und genau darum ging es
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
mit goldenem Sternchen
Und seine Mutter hängte es an die Küchentür
und las es seinen Tanten vor
Das war das Jahr, als Pfarrer Tracy
alle Kinder in den Zoo mitnahm
Und im Bus ließ er sie singen
Und seine kleine Schwester kam zur Welt
mit winzigen Zehen und ganz ohne Haar
Und seine Eltern küssten sich oft
Und das Mädchen um die Ecke schenkte ihm eine
Valentinskarte mit ganz vielen X
und er fragte seinen Vater, was das bedeutete
Und sein Vater brachte ihn abends immer zu Bett
Und war immer dafür da
Einmal schrieb er ein Gedicht
auf ein weißes Blatt mit blauen Linien
Er nannte es “Herbst”
weil das der Name der Jahreszeit war
Und genau darum ging es
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
und bat ihn, etwas leserlicher zu schreiben
Und seine Mutter hängte es nicht an die Küchentür
wegen der neuen Farbe
Und die Kinder erzählten ihm
dass Pfarrer Tracy Zigaretten rauchte
Und Stummel auf den Kirchenbänken ließ
Und manchmal brannten sie Löcher hinein
Das war das Jahr, als seine Schwester eine Brille bekam
mit dicken Gläsern und schwarzen Bügeln
Und das Mädchen um die Ecke lachte
als er mit ihr den Weihnachtsmann sehen wollte
Und die Kinder erklärten ihm, wieso
sich seine Eltern so oft küssten
Und sein Vater brachte ihn abends nicht mehr zu Bett
Und sein Vater wurde wütend
als er deshalb weinte.
Einmal schrieb er ein Gedicht
auf einen Zettel aus einem Block
Er nannte es “Unschuld: Eine Frage”
weil das bei seinem Mädchen die Frage war
Und genau darum ging es
Und sein Professor gab ihm eine Eins
und sah ihn lang und seltsam an
Und seine Mutter hängte es nie an die Küchentür
weil er es ihr nie zeigte
Das war das Jahr, als Pfarrer Tracy starb
Und er vergaß, wie das Ende
des Glaubensbekenntnisses ging
Und er erwischte seine Schwester
wie sie auf der Veranda rummachte
Und seine Eltern küssten sich nie
oder redeten auch nur
Und das Mädchen um die Ecke
trug so viel Make-up
Dass er kaum Luft bekam beim Küssen
aber er küsste sie trotzdem
weil man das so tat
Und um drei Uhr morgens ging er zu Bett
während sein Vater lauthals schnarchte.
Deshalb versuchte er, auf einer Papiertüte
ein weiteres Gedicht zu schreiben
Und er nannte es “Absolut gar nichts”
Denn genau darum ging es doch
Und er gabs ich selbst eine Eins
und einen Schnitt in jedes verdammte Handgelenk
Und hängte es an die Badezimmertür
weil es diesmal nicht glaubte
dass er die Küche noch erreichen würde."

Das also ist mein Leben, Stephen Chbosky

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ich sitze momentan zwischen den Scherben meines Lebens und bin mir nicht sicher, wie ich sie wieder zusammensetzen soll, so dass es mir gefällt. Also sitze ich einfach noch ein bisschen hier und warte. In der Zwischenzeit habe ich mich selbst etwas mehr gefunden und anderes dafür verloren, aber das wird es wert sein. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Lachen und Weinen, Schreien oder Stumm bleiben.
Das Schreiben habe ich aufgegeben, die Worte haben mich verlassen, aber im Moment ist das vielleicht auch okay so. Ich weiß es nicht. Ich bin mir im Moment über kaum etwas sicher. Aber auch das ist okay so.

Montag, 8. Oktober 2012

sie liegt neben mir während ich das hier schreibe
ich liege hier seit einer halben stunde und höre ihrem atem zu
beinah das schönste, was ich je gehört hab
und doch zerreißt es mein herz
ich kann sie nicht retten
sie ist zarte neun jahre und ich kann sie nicht retten
sie wird diesen schrecklichen weg gehen, das sieht man schon jetzt
sie bedeutet mir die welt und ich bin zu schwach um sie vor den ganzen bösen dingen, die in ihrem kopf rumschwirren, zu bewahren
ihr wisst nicht, wie schrecklich ich mich fühle
ich liebe sie doch so und doch seh ich tatenlos dabei zu, wie sie stirbt

Donnerstag, 27. September 2012

ich lebe noch
zum glück
nur interessiert sich keiner dafür
und ich mich eigentlich auch nicht
ich werd die alte merkwürdige frau mit den 36 katzen werden

Mittwoch, 19. September 2012


Freitag, 14. September 2012

wieder zu hause
viele viele pläne
für die große weite welt
aber erstmal schlaf ich ne runde in meinem eigenen bett

Sonntag, 9. September 2012

whoops jetzt bin ich alt

Freitag, 31. August 2012

Todesabsturz gehabt
Mit drei anderen Mädchen von der Station im Wald hinter der Klinik einen durchgezogen
leider bisschen zu hart
halbe stunde ohnmächtig
und mit Gehirnerschütterung ins Krankenhaus
hey, mir gehts super

Donnerstag, 12. Juli 2012

Mein Kopf ist so leer, ich kann mich seit Tagen nicht greifen
Die neuen Medikamente wirken noch nicht. Ich lauf die ganze Zeit wie in einer Blase umher, kann nicht zwischen Wirklichkeit und Einbildung unterscheiden. Ich würd so gern mal wieder schreiben, oder malen, aber seit Wochen fühl ich mich wie ausgesaugt.
Wie geht es euch? Ich vermiss euch, auch wenn ich euch nicht kenne.

Montag, 25. Juni 2012

ab morgen wieder in der klinik!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Ihr könnt mir nicht sagen, dass ich starke Persönlichkeitsstörungen und Psychosen habe
und mich dann im Stich lassen
Ich bin nicht gestört
in meiner Persönlichkeit
Ihr versteht mich nur nicht

Montag, 4. Juni 2012

Sie ist wieder da.
Sie ist wieder da und zieht all die Gefühle wieder aus mir heraus, die ich so gut in meinem Innersten verbuddelt hab. Sie lässt mich wieder morgens mit blau gebissenen Händen aufwachen und nimmt mir jeglichen Gedanken. Ich hab wieder Dissoziationen und Panikattacken, so schlimm wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Als ob Sie gekommen ist und einen grauen Schleier um mich gelegt hat, schwer wie Blei, zu schwer für mich, um ihn einfach abzuschütteln. Und jeden Tag hängen sich mehr und mehr Gewichte an die Schleier-Zipfel, Gewichte bestehend aus Wut und Hilflosigkeit und Taubheit und Gedanken, die so schnell sind, dass ich sie nicht verstehen kann.
Eigentlich wollte ich nur noch schöne, hoffnungsvolle Worte hier hin schreiben, tut mir leid, dass ich das nicht schaffe. Ich habe fast das Gefühl, ich muss mich mehr bei mir als bei euch entschuldigen, aber es kommt mir vor, als ob jemand das Kommunikations-Kabel zu meinem Selbst durchgeknippst hat. Ich sage Worte, doch denke sie nicht, höre mir selbst nur stumm zu und verstehe kein Wort, welches aus meinem Mund kommt. Ich bin nicht suizidal, nur taub. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.


Freitag, 1. Juni 2012

Klinikgeschreibe


Ich komme in Versuchung und gerate in Wahn
Ich bin mir schon bewusst, wie ich auf dich wirke
ich will es nur nicht anders schätzchen
Dass ich egoistisch bin, heißt nicht, dass ich selbstverliebt bin
Die Wiederholung ist noch lange nicht gold.

Ich hasse es, wenn du dich selbst bemitleidest
Merke: Dein Feind ist genauso scheiße dran wie du

In den dunkelsten Stunden der Nacht finde ich mich selbst wieder
Finde mich wieder, in der Ecke gefesselt, mit dunklen Schatten und großen Klauen
Frisst es mir ein Loch in den Bauch
So große Angst hatte ich noch nie vor dem Selbst
Doch es ist so dunkel, ich kann es nicht sehen
Hört nicht auf mein Flehen
Warum höre ich nicht auf mein eigenes Flehen?

Ihr verurteilt mich, weil ich lieber anonym bleibe
und die Krankenschwester nennt meine Narben liebevoll Kiemen
Meine Wochenenden bestehen aus Dissoziationen und Panikattacken
aber zum Glück ist ja meine ganze Nachttischschublade voll Truxal
Ich hab gehört, wie mich jemand als 'Das Mädchen, das nie Besuch bekommt und jedes Wochenende in der Klinik hockt' bezeichnet hat.
Bin für alle das ausgestoßene Kind, dass nichts wahrhaben will
Und ich hasse es, als lebende Diagnose rumzulaufen

Mittwoch, 9. Mai 2012

Die Menschen binden jedem im Internet ihre Probleme auf die Nase und erheucheln sich Mitleid und Aufmerksamkeit, langsam mag ich hier schon nichts mehr schreiben. Ich kann das alles nicht mehr lesen, jeder tut so, als ob es ihm am allerschlechtesten geht. Ich hoffe, ihr seid nicht so genervt von meinen Texten wie ich es im Moment selber bin. Ich denke, ich muss erstmal etwas Abstand von dieser Welt nehmen.

Sonntag, 6. Mai 2012

Meine Cousine erzählt zum hundertsten Mal, wie sehr sie ihre Familie liebt
schade, dass ich bei so viel Harmonie kotzen muss
Heute Nacht nehm ich dein Leben und schmeiß es weit weit weg
Kannst mich berühren, aber nicht festhalten.
Vielleicht werden wir niemals voneinander loskommen
aber wir werden uns auch niemals mehr wiederfinden
Ich hab so viel zu sagen aber bleibe stumm
Ihr habt mir meine Lippen versiegelt, also schreit mich nicht an, dass ich mit euch reden soll


Mittwoch, 25. April 2012

oh hallo Panikattacke
ich hatte schon befürchtet, ich hätte dich verloren
aber schön zu wissen, dass du mich nicht im Stich lässt
bring deine Freunde doch auch gleich mit
Ich hab schon Cupcakes für uns alle gebacken, das wird ein Fest

Sonntag, 22. April 2012

Ich weiß nicht, was das Richtige für mich ist
gibts das überhaupt?
Meine Medikamente sind leer, mein Kopf noch mehr
aber gegen Leere gibts ja Nudeln und Kuchen und Toastbrot mit Philadelphia und Nutella und Erdnussbutter und Oreokekse und Schwarzwälderkirsch-Torte und Prinzenrolle und Gouda und Pudding und Schokoladeneis und Pancakes mit Marmelade und Butter

Donnerstag, 19. April 2012

Klinik oder Sommerurlaub mit meiner Freundin?

Ich hab keine Zeit zum Gesundwerden.

Montag, 16. April 2012

Es gibt keine Happy Ends, denn alles endet mit dem Tod und im Tod bist du Nichts.

Montag, 9. April 2012

Du wirfst mich wieder aus der Bahn und meilenweit zurück
Die Feder hat sich wieder zum Stein verwandelt und zerdrückt jedes kleinste Molekül meines Körpers
Mit meinem Kopf in den Wolken kann ich auf dich herabspucken
oder mein Gesicht vor dir verstecken
Du hast mich überrollt wie eine Welle, mich nach Luft schnappen lassen, mich schwindelig werden lassen und schlussendlich niedergedrückt auf den dunklen Boden.
Und fast dachte ich für einen Augenblick, dass du derjenige bist, der mich wieder ans Licht bringen würde.

Mittwoch, 4. April 2012

low
        low
                low
                        low
                                low
                                        low
                                                low
                                                        high


fall ich oder flieg ich?



Es geht mir besser als es dürfte
Du sagst, du findest mich gar nicht verrückt - dafür muss ich dir leider ein Messer in die Wange rammen
Ich seh wieder Schlangen und du lachst mich nur aus
Kannst die Grenze zwischen meiner und deiner Welt nicht sehen und ich will sie dir auch nicht erklären
Schade, dass es keiner bemerkt, wenn seit Tagen nicht mehr mit euch rede
aber ich hab ja eh nichts zu sagen

Dienstag, 3. April 2012

Mein Leben zieht an mir vorbei
und hat vergessen mich mitzunehmen
Komm, ich rauch den letzten Zug deiner Zigarette für dich
denn der ist der Giftigste
Der Gedanke an Klinik lässt mich wieder zusammen brechen
Heute gibts Kunstunterricht auf den Beinen

Sonntag, 11. März 2012



Ich erschreck mich, wenn ich in den Spiegel gucke
In mein fahles Gesicht, die Schatten unter den Augen, die aufgerissenen Lippen
Verbringe Tage in abgedunkelten Zimmern, ziehe den Telefonstecker raus und gehe nicht an die Tür
Keiner will mehr was mit mir zu tun haben, seit sie von meinen 'Luxus-Krankheiten' erfahren haben
aber ich hab Oreo-Torte, also fickt euch

Montag, 27. Februar 2012

Und eines Tages wirst du merken, dass es dir nicht mehr gefällt, so zu sein. Du wirst versuchen, alles besser zu machen. So wie früher. Früher, als es schön war. Du wirst deine Wohnung umdekorieren, du wirst zum ersten Mal in ein Möbelgeschäft gehen und auf ein rotes Sofa zugehen und eine blaue Lampe. Du wirst mit Yoga anfangen und dir Freundinnen suchen, um sie zum Kuchen essen einzuladen. Plötzlich gefällt es dir wieder, von Männern angeguckt zu werden, vielleicht schaffst du es sogar, dich berühren zu lassen, ohne zusammen zu zucken. Dann wirst du denken, du hast es geschafft und wirst dem Mann ein kleines süßes Lächeln zuwerfen, das ihn gleich dazu bringt, dich noch mehr zu küssen.
Und eines Tages wirst du merken, dass du nichts rückgängig machen kannst. Du wirst niemals mit deinem Kind im Meer baden gehen können, weil der Strand voll mit Touristen ist und du vom Bauchnabel bis zu den Knien dicke Narben hast. Und mit 35 wird dir dein Arzt sagen, dass du keinen Sport mehr machen darfst, da deine Knochen zu geschädigt sind. Dein Mann muss dich immer öfter spät in der Nacht ins Krankenhaus bringen, weil deine Organe nicht mehr mitspielen und du bist, obwohl du immer allen zeigen wolltest, wie stark du allein sein kannst, immer mehr auf die Hilfe von anderen angewiesen. Du wünschst dir schon längst nicht mehr, die Dünnste zu sein, weil dein Mann deine Kurven viel lieber mag und du willst auch nicht mehr sterben. Aber du hast dem Tod zugelächelt und nun ist er in dich verliebt und ihm ist es auch egal, ob du einen Mann und eine kleine Tochter hast, er ist fasziniert von dir und wird dich nicht mehr loslassen.
Und du wirst es bereuen, dass dir das alles egal war.

Wörter füllen in Sekundenschnelle das blassgelbe Papier
schneller als mein Kopf Sätze bilden kann
Habe wieder einen Plan, darf ihn diesmal nicht verlieren
Es ist lange her, dass ich tatsächlich Pläne für die Zukunft gemacht hab,
beinah Jahre
Trenne mich von meinen Armbändern, 
um mich von mir selbst zu trennen
Ich kann mich endlich wieder ergreifen,
mich endlich wieder vor mir selbst verstecken.


Sonntag, 19. Februar 2012

Ich möchte jedes deiner Worte aufschreiben
und deinen Geruch in meinem Pulli festnähen
Lass uns tagelang zusammen nichts tun
und uns ohne Worte verstehen
Die Nacht wegreden mit einem kilo zigaretten
und tagsüber in Unterwäsche auf dem Sofa sitzen und verklumpte Spagetti mit Ketchup essen

Freitag, 17. Februar 2012

hip hip I can't control my brain

Samstag, 11. Februar 2012

jojojjjojojoojo ich bin wieder daa

und ich hab einen blogaward von Cassie bekommen
10 Dinge über mich

1. Mein gesamtes Zimmer ist nur schwarz-weiß
2. Ich bin immer neidisch, aber nie eifersüchtig.
3. Ich kann nicht aus dem Haus gehen, wenn meine beiden Schuhe nicht gleich fest zugeschnürt sind, das war schon im Kindergarten so.
4. Ich finde Lila ganz schrecklich und Menschen, die Lila tragen, aus Prinzip nicht attraktiv.
5. Wenn ich mittags alleine bin, koche ich immer eine Portion und werfe dann die Hälfte davon in den Mülleimer, bevor ich mir die andere Hälfte auf einen Teller fülle und davon dann wieder eine Hälfte abteile, die ich esse, die andere bleibt auf dem Teller liegen.
6. Ich hasse es, wenn Menschen beim Fernsehen gucken zu jedem Satz oder jeder Szene ihren Kommentar ablassen müssen.
7. Ich habe immer das Bedürfnis, die Menschen zu beeindrucken, die ich am wenigsten leiden kann.
8. In Amerika wurde ich wegen einer Panikattacke aus der Schule ins Krankenhaus gebracht.
9. Ich kann kaum mehr als 2 Tage mit einem Menschen verbringen, ohne dass es mir anstrengend wird. Selbst mein Freund durfte nie ein ganzes Wochenende bei mir verbringen.
10. Ich habe das Gefühl, früher war ich das komplette Gegenteil von dem was ich jetzt bin.

Dienstag, 31. Januar 2012

Und weil mein Leben mal wieder zusammenfällt
fahr ich morgen spontan nach Berlin
In einer Woche bin ich wieder da
obwohl
vielleicht bleib ich auch für immer
adieu

Montag, 23. Januar 2012

Ich könnte ja eigentlich auch mein Essen für die gesamte nächste Woche schon jetzt essen

Montag, 16. Januar 2012

fülle die gleichen klinik- anmeldebögen
wie vor 5 monaten aus
ich trete auf der stelle

Freitag, 13. Januar 2012

andere Stadt
andere Schule
anderes Sekretäriat
anderer Schulleiter

das gleiche Weglaufen
nur dass ich diesmal keinen Notfallplan hab

Montag, 9. Januar 2012

Du frisst den Staub mit bloßen Händen
Und wagst es niemandem, in die Augen zu blicken.
Schämst du dich nicht für das, was aus dir geworden ist?
"Ich mach mir ein bisschen Sorgen um Sie." Ich gucke auf meine Beine, dahin wo sich der Verband unter der Strumpfhose abzeichnet. "Ja" flüstere ich, als es ob selbstverständlich wär. "Sie wissen bestimmt auch warum oder?" "Ja. Wegen gestern," bringe ich leise heraus und räuspere mich. Mein Hals ist zugeschnürt, es ist so anstrengend hier zu sitzen, so anstrengend antworten zu müssen. Ich weiß nicht wo ich hin gucken soll, starre aus dem Fenster, an ihr vorbei. Tränen laufen still an meinen Wangen runter, meine Hände kneifen unaufhörlich in meine Arme. "Gibt es denn irgendwas, dass sie mir sagen wollen?" Zum Beispiel wie sehr  ich die Menschen hier hasse, die dauernd etwas über meine Gefühle hören wollen, die dauernd nach dem Grund suchen wollen? Wie sehr ich das Essen hier hasse, wie sehr ich vor jedem ausgesprochenen Wort Angst habe, weil es falsch sein könnte? Soll ich Ihnen den ganzen Hass in mir drin beschreiben, warum ich all solche Dinge tue, was ich bei jedem gut gemeinten Wort von jedem einzelnen hier denke? Welche Wut ich die ganze Zeit unterdrücke und keinen anderen Ausweg sehe, als sie an mich selbst auszulassen? Weil ich selbst der Grund bin, warum ich so unglaublich wütend bin? "Nein. Im Moment nicht." - "Hm. Okay. Gehen Sie in das Stationszimmer und holen sich Medikamente. Und kann ich mich darauf verlassen, dass Sie sich melden, sobald es Ihnen schlechter geht?" Sie meinen schlechter als jetzt? "Ja." Ich kann kaum mehr sprechen vor lauter Tränen, weiß nicht, was ich noch machen soll. Wieder werde ich allein gelassen. Natürlich wissen alle, dass ich mich nicht melden werde, das kennen sie doch mittlerweile schon. Wieder muss ich viel stärker sein, als ich kann und ich weiß jetzt schon, worauf das hinauslaufen wird.
Tränen tropfen auf meine Strumpfhose und ich will einfach nur noch raus hier. Es ist zu still, das halte ich nicht aus. Ich hasse Stille, sie ist so voller Wahrheit.
"Ich mach mir wirklich Sorgen um Sie."

Sonntag, 8. Januar 2012

asphalt hat die farbe von gebrochenen herzen
und du und ich, mittendrin
kletterst immer weiter die glaswand hoch
um irgendwann an freiheit zu kommen
aber mehr als sehen wirst du sie nie

tu mir weh, ich will was spüren

Dienstag, 3. Januar 2012

Hier etwas über meinen Klinikaufenthalt, für Anonym:

Als erstes, ich war 3 Monate dort, hatte 5 verschiedene Mitbewohnerin, die allesamt früher gehen durften als ich, genauso wie alle anderen, die noch am Anfang mit mir da waren. Die Regelzeit dort ist nur 6-8 Wochen, deswegen musste ich mich dauernd an andere Menschen gewöhnen und war zum Schluss ziemlich einsam dort. Da es eine Psychosomatische Klinik war, hatten alle neben den Therapeutischen Behandlungen auch so etwas wie Sportkurse, ich jedoch durfte nur 2 mal die Woche morgens in 'ner Gruppe einen Spaziergang vor dem Frühstück machen und 2 mal die Woche Schwimmen wenn ich wollte. Die hatten dauernd Angst, dass ich zu viel abnehme und mir wurde auch mehrmals mit Shakes oder Magensonde gedroht. Außerdem musste ich 5 Wochem am Essbegleittisch essen, das war die Hölle, da man genau vorgesetzt bekam, was man essen musste. Und dann hatte ich neben 2 mal die Woche Einzeltherapie noch am Anfang 2 mal die Woche Skills-Gruppe, die mir allerdings so ziemlich gar nichts gebracht hat, was die Nachtschwester, die mir immer schön die Beine wieder zustripen durfte, bezeugen kann, und später hatte ich noch 2 mal die Woche Körpertherapie, wo wir zu afrikanischer Trommelmusik mit geschlossenen Augen durch den Raum tanzen durfte und wo ich jedes mal das Gefühl hatte, die Therapeuten waren verrückter als wir.
Am allerliebsten mochte ich meine Ernährungsberaterin, sie war die Einzige auf die ich wirklich gehört habe und die es als einzige geschafft hat, mich aufzubauen.
Dann musste ich noch jeden Mittwoch zur Visite, um den Chefarzt wissen zu lassen, dass es mir zumindest noch so weit gut geht, dass sie mich nicht in die Geschlossene überweisen müssen.
Insgesamt hab ich fast gar nichts mitgenommen, außer dass ich jetzt einige Dinge klarer sehe, besser über mich selbst reden kann und dass ich viele, viele interessante Menschen kennen gelernt hab. Allein das war es schon wert.
Ich weiß nicht so recht, ob euch das zufrieden stellt, diejenigen die es wissen wollten, aber mir fällt nicht so richtig ein, über was ich noch schreiben soll. In spätestens einem halben Jahr geht es für mich wieder in die Klinik, haben die Therapeuten so verschrieben und ich bin eigentlich ganz froh darüber, weil ich grad mal 1 1/2 Wochen wieder zuhause bin und schon wieder alles über mich hereinbricht.
Tut mir leid, der Text ist echt nicht gut geworden, aber jetzt wisst ihr wenigstens, wie es da in der Klinik so zuging.


Das große Bett mit den zwei Bettdecken und zwei Kopfkissen lässt mich immer mehr wissen, wie einsam ich bin
aber auf meiner Rosenbettwäsche fallen die Blutflecken ja kaum auf
Ohne meine Beruhigungsmittel dreh ich wieder vollkommen durch
aber ihr seht es ja nicht, wollt ihr ja nicht
nehmt mir alles, kümmert mich nicht
denn eigentlich hab ich nichts mehr, was man mir nehmen kann
Ich hab ganz vergessen, wie zerissen man sich fühlen kann,
macht mich wieder taub